This is a German translation of <https://eev.ee/blog/2025/07/03/the-rise-of-whatever/> by Xyrill <https://digitalcourage.social/@xyrill>.
The original, as well as this translation, are available under <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/>.

# Vorbemerkungen

Ich lese "Der Aufstieg des Was-Auch-Immer", im englischen Original "The Rise of Whatever", von Eevee aka Evelyn Woods.
Die Autorin spricht in der Ich-Form. Wenn im Text also "ich" gesagt wird, ist die Autorin gemeint und nicht ich.

Sofern im Text englische Wörter unübersetzt geblieben sind, dann, weil die Wort-für-Wort-Übersetzung ins Deutsche nicht dieselbe Konnotation hat.
Dies gilt insbesondere für die Begriffe "Engagement" und "Content", die hier im Kontext von Marketing-Jargon verwendet werden und nicht bedeutungsgleich sind mit ihren wörtlichen Übersetzungen, "Beschäftigung" und "Inhalt".
Sofern als allgemeine Chiffre für Großkonzerne bestimmte Markennamen erwähnt wurden, die nur im US-Kontext bekannt sind, habe ich zum Zwecke des Sinnerhalts äquivalente deutsche Marken eingesetzt.

# Der Aufstieg des Was-Auch-Immer

Der originale Titel dieses Artikels war "ich misse die Zeit, als Computer Spaß machten".
Aber während des Schreibens entdeckte ich, dass es einen _Grund_ gibt, warum Computer weniger Spaß machen; einen dunklen Faden, der sich durch eine Reihe von Ereignissen der jüngeren Geschichte zieht.
Lasst mich etwas ausholen.

## Kapitel 1: Bitcoin

Wenn man in den 2000er-Jahren Geld zwischen beliebigen Privatpersonen über das Internet schicken wollte, hatte man realistischerweise eine Option: PayPal.

> *Naja, um genau zu sein:*
> Entweder das, oder man lebte in einer futuristischen Utopie wie der EU, wo Banken das "Geld an Leute senden" zu ihrem Kernfunktionsumfang zählen.
> Aber hier in den guten alten USA, wo greifbarer Fortschritt erhebliche Mengen an Treten und Schreien erfordert, hatte man PayPal.

Die Sache mit PayPal ist, dass es dein Geld verwaltet, aber keine Bank ist?
Ich kann nicht behaupten, die Architektur und ihre Implikationen zu verstehen, aber die Perspektive von PayPal war offenbar schon immer, dass sie tun können, was immer sie wollen.
Sie waren immer ziemlich kleinlich, was die Verwendung von PayPal zum Bezahlen von Honoraren an Künstler angeht, wenn es zum Beispiel um Zeichnungen von Einhornpimmeln geht.
Wenn sie also dachten, dass man PayPal dafür verwendet, haben sie einfach dein Konto gesperrt und sechs Monate lang dein Geld einbehalten.
Zur sicheren Verwahrung wahrscheinlich.
Und wegen der Zinsen.

Trotzdem war PayPal die einzige Option für viele Einzelkämpfer, die hochspezifische Waren und Dienstleistungen anboten, sodass sich einige Frustration auftat darüber, dass der einzige verfügbare Mittelsmann die exklusive Kontrolle darüber hatte, wofür man sein Geld ausgeben darf, und welche Arten von Geschäft man betreiben darf.
Und wenn man dabei erwischt wurde, die Regeln zu ignorieren, haben sie dein Geld für sechs Monate eingezogen.

Dann, so ungefähr im Jahre 2010, hörte ich von Bitcoin.
Und es klang wie die nächste große Welle aus der Zukunft.
Endlich, ein Weg, einfach *Geld an jemanden zu senden*.
Was für ein verdammtes Konzept.
Und stellt euch nur vor, was man mit so einem System bauen kann!
Webseiten könnten echte Trinkgeldbüchsen haben.
Browser könnten eine Trinkgeldfunktion mitliefern, die nur ein paar Cents überweist, weil Transaktionen so reibungslos sind.

Ich lud mir einen Miner herunter (naja, damals gab es nur *den einen* Miner, glaube ich), ließ ihn für einen Tag laufen, und schaffte es nicht, eine Münze zu minen.
Es gab nicht wirklich irgendetwas anderes zu tun, also beendete ich den Miner und dachte nicht mehr an Bitcoin.

Eine ganze Weile später erreichte Bitcoin allgemeine Bekanntheit und... keine von diesen Sachen ist eingetreten.
Bitcoin ist weniger eine Währung als vielmehr ein ganzes Ökosystem von ... [im Original: "an entire ecosystem of schemes"; "scheme" könnte neutral konnotiert "Verfahren" heißen, oder negativ konnotiert "(Betrugs-)Masche"].
Im letzten Jahr habe ich nur einmal davon gehört, dass jemand mit Bitcoin tatsächlich etwas kaufen konnte, nämlich Graumarkt-Estradiol.
(Selbst Graumarkt-FIP-Medikamente werden einfach mit Kreditkarten bezahlt!)
Der einzige Browser mit eingebauter Trinkgeldfunktion ist der eine, der von einem Mann angeführt wird, der dadurch berühmt ist, JavaScript erfunden zu haben und meine Ehe verbieten zu wollen; und das Token, das der Browser benutzt, hatte offenbar in den letzten 24 Stunden ganze 80 Verkäufer.
Klingt, als ob das alles großartig läuft.

Unterdessen ist fünfzehn Jahre später der Stand der Technik zum Senden von Geld zwischen beliebigen Personen... uh, PayPal.
Aber jetzt haben wir auch Stripe, das Kreditkartenzahlungen verarbeiten kann, wenn man weiß, wie man es in eine Webseite eingebaut bekommt, aber das ebenfalls Einhornpimmel verbietet.
Patreon? Stripe und PayPal.
Itch? Stripe und PayPal.
Ko-fi? Stripe und PayPal.
Nichts ist fundamental anders.

Aber der Traum ist geplatzt.
Er war fast in Erfüllung gegangen, und wurde dann sofort gekapert von einem Haufen von Trickbetrügern, die schnellen Reichtum versprechen; sowie von Turbolibertären, deren komplette Identität davon definiert ist, welche Sachen sie besitzen, und die allen anderen mittels Kryptografie ihren Lebensstil aufdrücken wollen, weil sie wütend sind, dass World of Warcraft ihren Warlock generft hat oder sowas.

Und ich glaube, das Kernproblem, dass sich durch die Geschichte der Kryptowährungen zieht, ist, dass die überwältigende Mehrheit der involvierten Leute *sich nicht wirklich dafür interessieren*, was die Sache ist, hinter der sie sich versammeln.
Was sie interessiert, ist, dass es einen Graph hat, und dass sie reich werden, wenn der Graph nach oben zeigt, sodass sie all das sagen, was den Graphen nach oben gehen lässt.
Der Graph sieht sogar für jede Coin und jedes NFT und so gleich aus: x-Achse Zeit, y-Achse Dollars.
Der einzige Ort, wo die *Sache selbst* überhaupt erscheint, ist im Titel des Graphen, wo man es geflissentlich ignorieren kann.

Natürlich werden jede Menge Leute die angeblichen Vorzüge ihres Lieblings-Dingsbums preisen, aber meine Vermutung ist, dass viele von ihnen sich nicht wirklich dafür interessieren.
Sie haben ein eigennütziges Interesse daran, andere dazu zu überreden, in ihr Ding zu investieren, egal, was das Ding ist, weil dann der Graph nach oben geht.

Und so ergibt sich, was ich nur als Kultur des **Was-Auch-Immer** bezeichnen kann.
Bitcoin ist als Währung gescheitert, weil die damit am stärksten emotional verbundenen Leute *sich nicht* für Währungen *interessieren* - es könnten auch in Flaschen abgefüllte Drachenfurze sein; nur dass es dadurch, dass es auf dem Computer ist, nicht erforderlich ist, sich tatsächlich um das Produkt zu scheren.
Es ist einfach nur eine Sache, deren Wert man in die Höhe treiben kann; das zugrundeliegende Anlageprodukt könnte, nun ja, Was-Auch-Immer sein.
Und da Bitcoin selbst open-source ist, kann jeder es kopieren und seine eigene Coin bauen, sein eigenes Was-Auch-Immer.
Mit NFTs kann man eine ganze *Familie* von sammelbaren Was-Auch-Immers machen -- eine merkwürdige Beschreibung für etwas, von dem man nicht wirklich jedes sammeln kann, aber wer kümmert sich schon darum, ob die Beschreibung Sinn ergibt?
Es ist egal, was die Kunst ist, wie die Technologie funktioniert, oder mit was die Tokens verknüpft sind.
Es muss nur etwas sein, zu dessen Kauf man andere überreden kann.
Die tatsächliche Sache kann Was-Auch-Immer sein.

Ich glaube, dass dies adäquat beschreibt, warum der Wildwuchs dieser Leute geholfen hat, Twitter so auszulutschen.
Zehntausende Trickbetrüger säumen jeden Bürgersteig, jeder von ihnen leidenschaftlich bewerbend ein Produkt, für dass sie sich nicht wirklich interessieren.
Endloser, *endloser* fingierter Enthusiasmus von Leuten, die sich alle gegenseitig überreden wollen, ihre leeren Schachteln zu kaufen.
Kauf *mein* Ding!
Haha, nein, mach Dir keine Sorgen, wie viele von dem Ding *ich* besitze -- lass uns darüber reden, wieviele *Du* davon besitzen solltest!
Kleiner Tipp: Eine Menge!

Schon ein bisschen schade, das ganze.

## Kapitel 2: Die Form des Web

Das Web ist eine coole Sache, weil jeder einfach Zeug hineintun kann.
Es ist das größte schwarze Brett, das je aufgestellt wurde.
Am Anfang hat einem der eigene Internetanbieter sogar direkt eine Webseite gegeben!
Ich glaube nicht, dass das noch viele machen, aber es gibt mehr günstige oder kostenlose Optionen als jemals zuvor -- man kann sogar eine eigene Webseite bei GitHub hosten.

Und das Web bestand damals hauptsächlich aus Dingen, die von Menschen gemacht wurden, und das war ziemlich cool!
Man konnte *in einem Tag mehr als vier Webseiten* sehen.
Webseiten hatten *Farben*!
Sie waren nicht alle auf einen 7 Zentimeter breiten Bildschirm ausgelegt und dann auf dem Desktop nur hochskaliert!
Twitter erlaubte es einst, dass man sein eigenes Hintergrundbild anzeigt, wenn andere das eigene Profil besuchen.

Aber das Problem damit, dass jeder seine eigene Webseite hatte, ist, dass man den Überblick verlor und nicht wirklich wusste, wann sie aktualisiert wurden, und dass es schwierig war, mit einer Webseite in Dialog zu treten.
Außerdem war es etwas kompliziert, eine eigene Webseite zu bauen?
Man musste dafür, naja... Dinge lernen.

Und so ist das ganze Web mit der Zeit um eine kleine Handvoll gigantischer Plattformen geronnen, auf denen *jeder auf dem verdammten Planeten* gleichzeitig verkehrt.
Manchmal gibt es eine Art Partitionierung, wie bei Reddit.
Manchmal gibt es keine, wie bei Twitter.

Das ist... okay, glaube ich.
Dinge zentralisieren.
Das passiert.
Zumindest hat man nicht mehr so oft mit Schockbild-Spamangriffen zu tun.

Aber die Zentralisierung birgt ein Problem.
Es ist nämlich so, dass das Web (standardmäßig) kostenfrei *anzuschauen* ist, aber es kostet Geld, es zu *betreiben*.
Es gibt Gratishoster, ja, aber die sind für statische Inhalte, die vielleicht eintausend Besucher am Tag bekommen, nicht interaktive Platformen, die *hunderte von Millionen* anziehen.
Da fängt es an, etwas zu kosten.
Stell dir vor, wie Holzscheite in die Feuerkammer einer Dampfmaschine geschaufelt werden, nur dass es Geldbündel sind, die in das, uh... Webseitenloch geschaufelt werden.

Klassischerweise war der Weg, eine Webseite in Betrieb zu halten, dass man sie mit Werbung überzieht und die Schmach erträgt, dass Pepsi versucht, auf halbem Weg durch deine Webseite Pepsi zu verkaufen.
Werbeanzeigen bringen nicht sehr viel Geld ein, aber für mittelgroße Unterfangen ist das okay.
Man schreibt einen Artikel, klebt eine Werbeanzeige drauf, und macht damit 20 Cent im Monat oder so.
Ich habe keine Ahnung davon; ich zeige keine Werbung, weil sie eine peinliche Fäule sind, die alles schlechter macht, was sie berührt.

In Summe steuern diese Kräfte die großen Plattformen in eine spezifische Richtung: die *Maximierung der Werbung, die Leute sehen*.
Unter Ausschluss so ziemlich aller anderen Ziele.
Somit wird *Engagement* zur Hauptpriorität: Es ist egal, ob deine Benutzer sich *hundselend* fühlen, solange sie immer noch *da* sind.
Es ist okay, wenn die Werbeanzeigen *nervtötend* sind, solange sie *angesehen* werden.

Dann hat sich dieses Modell auf Telefonsoftware ausgedehnt.
Und dann in Videoproduktion.
Und dann, irgendwie, in verdammtnochmal Windows??

Und wenn der Hauptfokus des Geschäfts auf der *Werbung* liegt, dann ist alles andere irgendwie nebensächlich:
Alles ist nur insoweit notwendig, wie es Leute bei der Stange hält, damit sie die Werbeanzeigen ansehen.
Es ist wie mit einem Schlüsselbund klimpern.
Es ist... Was-Auch-Immer.

> *Faszinierende Seitenbemerkung:*
> Deswegen kann ich es absolut nicht aushalten, wenn *kreative Arbeit* als "Content" bezeichnet wird.
> "Content" ist die Bezeichnung für den Inhalt auf einer Webseite, wenn du die Webseite entwirfst, ohne zu wissen, was tatsächlich an Inhalten auf die Webseite kommt.
> "Content" ist die Bezeichnung für den Krimskrams, der in deinem Kofferraum versauert.
> "Content" ist die Bezeichnung der Marketingfachleute für *den Kram, der um die Werbung drumherum kommt*.
> "Content" ist... Was-Auch-Immer.

Dies ist die treibende Kraft hinter Clickbait; hinter Video-Vorschaubildern mit weißen Typen, die ein 8O-Gesicht machen; hinter roten Pfeilen; hinter Videoessayisten, die dir im perfekten Rhythmus dreimal die Woche einfach nur Wikipedia vorlesen; hinter Vorschlagsalgorithmen; hinter Rezeptblogs, die alle gleich aussehen und mit kilometerweise inhaltslosem Fülltext aufgebläht sind; hinter Videospiel-Webseiten, die die Idee von Journalismus hinter sich lassen und stattdessen zu SEO-Aasgeiern werden, voller Artikel, die unerfindlich viel Text brauchen, um dir zu sagen, dass der blaue Schlüssel unter dem Stein beim Fluss ist, nur damit sie mehr Absätze haben, in die sie Werbungen stecken können; hinter TikToks Modell eines konstanten Stroms, den ich mir nur vorzustellen brauche, denn ich hatte nie ein Interesse an TikTok, aber ich glaube, es ist eine schlimmere Version von YouTube Shorts, und *die* finde ich schon ziemlich nervig.

Es ist alles dasselbe.

*Schau es dir an. Schau es dir an, du dummes Baby. Schau, wie absurd oder schockierend oder extrem oder dramatisch das Was-Auch-Immer ist. Halt die Klappe und schau es dir an, damit mir Hornbach ein Zehntel eines Cents gibt.*

Wenn ich viel schreibe, wisst ihr zumindest, dass es deswegen ist, weil ich viel schreiben wollte.
Und ich lüge wahrscheinlich nicht, wenn ich sage, dass mich jemand dafür bezahlt hat!

Und die einzige Hoffnung, die ich hier habe, ist, dass eines Tages, vielleicht, Bitcoin eine Währung sein wird, und dass das Zirkulieren von Geld nicht unter der exklusiven Zuständigkeit von Froot Loops steht.
Herrgott.

Wusstet ihr, dass es in diesem Zusammenhang ganze Maschen gab, um schnelles Geld zu verdienen?
Es ist wie mit Fake-Romanen.
Mach einfach eine Webseite mit einem Allerwelts-WordPress-Theme (alle Webseiten sehen sowieso gleich aus), schreib einen Haufen nichtssagender Artikel über Dinge, die *ein kleines bisschen* obskur erscheinen, und überzieh sie mit Google-Werbeanzeigen.
Dann schau, wie das Geld fließt, von Leuten, die zufällig über deine Webseite stolpern und sie wieder verlassen, nachdem sie merken, dass sie nutzlos ist.
Aber zu spät; du hast schon die Werbeeinblendung bekommen!

Ich sage "es gab", weil die Zeiten, in denen man nichtssagenden Fülltext schreiben musste, vorbei sind:
Jetzt kann der Computer es für einen machen!

## Kapitel 3: Künstliche Realität

Wenn ihr mir vor zehn Jahren gesagt hättet, dass wir im Jahre 2025 den Star-Trek-Computer haben würden, wäre ich *begeistert* gewesen.
Wie cool ist das denn!
Du redest mit deinem Computer und er tut Dinge!

Aber das haben wir nicht wirklich bekommen.
Wir bekamen, sozusagen, eine glitzernde Autovervollständigung:
Einen schicken Chatbot, der Wörter aneinanderreihen kann in der friedfertigsten, angenehmsten Kundenservice-Stimme, die du je gehört hast.

Das Resultat ist etwas, mit dem ich absolut nicht interagieren will.
Ich möchte zu keinem Zeitpunkt einer LLM-Ausgabe ausgesetzt werden.
Es ist *Rauschen*, und ich habe das Gefühl, ich werde jedes Mal etwas dümmer, wenn ich aus Versehen sowas lese.
Mein Gehirn ist sowieso schon ein bisschen störanfällig, und ich kann es mir wirklich nicht leisten, dass es noch mehr weniger gut arbeitet.

Apropos Dinge, die noch mehr weniger gut arbeiten, die Technologie... ist scheiße?
Es macht fundamentalerweise nicht die Sache, die die Investoren und eingefleischten Fans behaupten.
Es erzeugt nur Textfäden, die statistisch plausibel sind.
Und jeder neue vorgebliche Fortschritt wird von einem schwachköpfigen Milliardärsinvestor begleitet, der damit prahlt, dass der Computer jetzt so klug wie ein Doktor ist, und dann siehst du die Ausgaben und es ist immer noch der generischste, banale, gehirnverrottende Klärschlamm, den du jemals gesehen hast.

Die meisten meiner Kontakte mit LLM-Ausgaben resultieren daraus, dass Google sie in jede Ecke reinstopft, die ihnen einfällt, und jedes Mal ist das Ergebnis *schlechter*.
Die Google-Suche bemüht sich regelmäßig, meinen uBlock-Filter zu umgehen und ein Drittel der Höhe meines Desktopbildschirms einer "KI-Zusammenfassung" zu widmen, die entweder den hervorgehobenen Teil des ersten Suchergebnisses leicht umformuliert, oder einfach kompletter Schwachsinn ist.
YouTube zeigt mir immer wieder "KI-Zusammenfassungen" unter Video-Vorschaubildern, die ohne Ausnahme nur den Videotitel in mehr Wörtern umschreiben.
Die verdammte Wetter-App auf meinem Telefon hat eine "KI-Zusammenfassung" mit unfassbaren Einsichten wie "es wird im Verlauf der Woche wärmer werden", was ich problemlos selbst sehen könnte, wenn dieser Block voll weißem Rauschen nicht den *tatsächlichen Temperaturgraphen* vom Bildschirm verdrängt hätte.
Wieder und wieder wird *tatsächliche Information* aus dem Weg geräumt, um Platz zu machen für eine unzuverlässige verlustbehaftete Komprimierung der Information in Text, welchen zu lesen länger dauert.

Aber das ist Milliarden von Dollar wert.

> *Notiz:*
> Wenn ihr in der beklagenswerten Situation seid, ein aktuelles Pixel-Telefon zu besitzen, ist es zumindest möglich, diesen ganzen Kram zuverlässig abzuschalten.
> Geht unter "System > Apps > Alle anzeigen" im Dreipunkt-Menü auf "Systemapps anzeigen", klickt auf "AICore", und deaktiviert diese App.
> Früher musste man weitere Stellen ausschalten, aber offenbar hat Android 16 das konsolidiert?
> Jedenfalls habe ich nichts gesehen, was nach LLM-Ausgaben aussieht, seit ich das getan habe.

Ich glaube, was mich hieran wirklich stört, und worüber keiner wirklich redet, ist, dass die Hemmschwelle offenbar derart gering ist.
LLM-Funktionen werden in absolut *alles* hineingewürgt, weil das, was sie tun, was sie wirklich tun, im Kern **Was-Auch-Immer** ist.
Sie tun Was-Auch-Immer.
Und das ist toll, weil Was-Auch-Immer buchstäblich *etwas* ist.
Es gibt keine Fehlermeldungen, keine leere Ergebnisseite, niemals eine fehlende Funktion oder ein nicht abgedeckter Sonderfall.
Fast ohne Fehl kriegt man *etwas*.
Ist es nützlich?
Ist es korrekt?
Ist es auch nur ansatzweise auf der Realität basierend?
Wen interessiert's?
Sehr viel wichtiger ist, dass es eine *Ausgabe* gibt.
Was-Auch-Immer ist offenbar besser als nichts.
Günstig, unaufdringlich und austauschbar, wie ein Plastikbecher.
Wir tun dem Internet das an, was wir bereits den Ozeanen antaten, und füllen sie mit einem großen wirbelnden Strudel von Abfall.

## Kapitel 4: Erste Fallstudie

"Aha!", schreien die Hacker-News-Kommentatoren.
"Aber hast du es *ausprobiert*?", fragen sie wie ein Kleinkind, gedemütigt, weil du seinen Sandkuchen nicht probieren willst.

Aber ja, danke der Nachfrage:
Ich hatte einmal die Gelegenheit, als ich mit einem Ren'Py-Problem zu tun hatte, und so biss ich die Zähne zusammen und fragte eines der LLMs.
Es schlug mir selbstbewusst mehrere zusammenhängende Formatierungsanweisungen vor, die mein Problem lösen würden.

Es gab nur ein winzigkleines Problem: Diese Tags **gab es nicht und hat es nie gegeben**.
Ich tippte diesen zusätzlichen Kontext in den Computer, und er generierte eine freigebige Entschuldigung, gefolgt von einem anderen Satz ausgedachter Tags.
Das war das Ende dieses großen Experiments.

Das Problem war wahrscheinlich, dass es tatsächlich *keinen* vorgefertigten Weg gab, um das zu tun, was ich wollte, *und* niemand vor mir hatte es schon mal getan, sodass die Maschine keine Arbeitsgrundlage hatte... und deswegen einfach etwas erzeugte, was plausibel klang.
Denn das ist, was diese Technologie tut: sie setzt Konversationen auf eine Art und Weise fort, die *plausibel klingt*, im Sinne von Ähnlichkeit zu existierenden Konversationen.
Wenn es existierende Konversationen über das Thema gibt, super!
Damit haben wir ein spezifischeres Maß für Plausibilität.
Wenn nicht, *umso besser!*
So gut wie *alles* könnte plausibel sein!
Es kann einfach **Was-Auch-Immer** generieren!

Ich kann nicht genug betonen, dass dies für mich **schlimmer als nutzlos** ist.
Nicht nur hat es meine Frage nicht beantwortet, sondern es hat mich in eine wilde Schnitzeljagd getrieben, um sicherzustellen, dass ich nicht doch irgendwie die Fake-API übersehen hatte, die es sich ausgedacht hat.

Nur so als Vergleich: Kennt ihr die Sache, wo Code-Editoren automatisch eine rechte Klammer oder ein rechtes Anführungszeichen einfügen, wenn man das linke tippt?
Man tippt ein Anführungszeichen und erhält zwei, mit dem Cursor dazwischen?
Ja, das treibt mich in den Wahnsinn.
Es spart absolut keine Zeit, und es ist oft genug falsch, dass ich Zeit *verschwende*, die Fehler zu *korrigieren*.

Und das ist für einen vorhersagbaren Vorgang, der ein einziges Zeichen einfügt!
Was wir erfunden haben, ist eine komplette Fake-Person, die deine Zeit *absatzweise* verschwendet.

Ich kann mir nicht vorstellen, damit tatsächliche Arbeit zu erledigen, und ich kann mir nicht erklären, wie andere es machen.
Das ist eine komplett neue Art von Fehlerfall, die wir erfunden haben.
Ich habe ebenfalls *Menschen* nach meinem Problem gefragt, und sie antworteten so, wie man erwarten würde:
Sie sagten, dass sie es nicht wüssten, oder schlugen ausgefuchste Behelfslösungen vor, die das Problem im Prinzip lösen (aber viele neue Probleme mit sich bringen).
Aber das LLM hat etwas statistisch erzeugt, dass *wie eine API klingt, die tatsächlich existiert*.
Es hat eine Antwort erzeugt, die plausibel, detailliert, informativ und passend war, und **absolut keine nützlichen Informationen** enthielt.
Es hat das *Gegenteil* von Information erzeugt!
Es hat **Rauschen** erzeugt.

Warum sollte ich sowas wollen?
Warum sollte ich eine Maschine nutzen wollen, die manchmal Text erzeugt, die einer Person ähnelt, die mich selbstbewusst anlügt?
Menschen liegen sicherlich manchmal *falsch* (deswegen hat Stack Overflow Downvotes), aber das ist etwas ganz anderes.
Wenn eine echte Person dir das antäte, würdest du *verdammt* schnell aufhören, ihr Fragen zu stellen.

LLM-Ausgaben sind Mist.
Sie sind einfach Mist.
Es ist zum Kotzen, und schlecht.

Jedenfalls habe ich danach trotzdem die Sache gemacht, die ich wollte, weil ich Programmiererin bin und weiß, wie man Computer dazu bringt, Dinge zu machen.

> *Faszinierende Seitenbemerkung:*
> Es hat nicht wirklich mit dieser Story zu tun, aber das tatsächliche Problem war, dass ich zwischen Sätze zwei Leerzeichen packen wollte, und ich wollte, dass Ren'Py das Extra-Leerzeichen anzeigt.
> Aber leider normalisiert Ren'Py alle Whitespace-Sequenzen *während des Parsens* in einzelne Leerzeichen, sodass dies unmöglich erschien.
> In der Tat hätte eine Formatieranweisung *niemals* das Problem lösen können, weil Whitespace-Normalisierung auf String-Literalen passiert, und Formatierungsanweisungen (sehr viel später) auf String-Werten operiert.
>
> Also habe ich einfach den Parser gepatcht.
> Wie man das halt so macht.
> Ren'Py ist wild.

Ich mein, ich weiß schon.
Ich wollte etwas machen, was noch nie jemand gemacht hat.
LLMs kommen gut mit Problemen klar, die zuhauf in ihren Trainingsdaten vorkommen.
In der Tat ist das wahrscheinlich ein großer Teil des Tricks, weil die Dinge, die häufiger in den Trainingsdaten vorkommen, auch die Dinge sind, nach denen Leute *im Allgemeinen* mit höherer Wahrscheinlichkeit fragen, und die Dinge, nach denen Leute mit höherer Wahrscheinlichkeit LLMs fragen.
Aber wessen kreativer Ertrag besteht nur aus Dingen, die schon Millionen anderer Leute gemacht haben?
Arbeiten alle anderen an Projekten, die ausschließlich aus Listen von Primzahlen und dem Balancieren von Binärbäumen bestehen?

## Kapitel 5: Zweite Fallstudie

Letzten Dezember war ich dabei, mich über eine ganz andere Sache zu beschweren, und habe zufällig in diesem Zusammenhang die Webseite von Visual Studio Code angesehen, die zum großen Teil der LLM-basierten Code-Vervollständigungsfunktion Copilot gewidmet war.
Ich werde diesen Blogartikel nicht mit LLM-Ausgaben beflecken -- sie sind auf BlueSky, wenn es euch wirklich interessiert -- aber es genügt, zu sagen, dass es nicht toll war.
Es wurde ein Aufruf eines Webdienstes gezeigt, und der generierte Aufruf hat die Formulardaten nicht richtig enkodiert.
Ihr wisst schon, Erstsemester-Zeug.
Außerdem war der Code doppelt so lang, als notwendig gewesen wäre.
Außerdem hätte es auf HTTPS-Webseiten nicht funktioniert, weil das Zertifikat des Webdienstes vor drei Jahren abgelaufen war -- was eine spaßige Überraschung ist, weil man gut und gerne auf HTTP localhost sein kann, und dann bricht es erst, wenn man live geht.

Ich fand es höchst unwahrscheinlich, dass die aktuellste und tollste API für "Aufruf einer Webseite" sich nicht einfach um das Enkodieren der Formulardaten kümmern könnte, und siehe da: Sie kann es!
Copilot hat sich nur nicht drum geschert, davon Gebrauch zu machen.
Und weil Copilot eine Was-Auch-Immer-Maschine ist und seine Antworten Einweg-Wegwerfdinge sind, gibt es keine Möglichkeit, dass jemand einen Schritt zurückgeht und sagt "hey, du hast vergessen, die Formulardaten zu enkodieren".

Was zum Henker ist diese Sache, die wir erfunden haben?
Stack Overflow, aber man kriegt nur die Antworten, die Leute schnellstmöglich eintippen, um als erster da zu sein und die Punkte abzugreifen?
Oh, und manchmal lügen sie dich einfach an?
Warum sollte ich das wollen?

Und dieses Beispiel ist keine Rosinenpickerei meinerseits!
*Sie haben es selbst ausgewählt!*
Das war das Startseiten-Beispiel für ein hochmodernes LLM, das in den beliebtesten Code-Editor der Welt integriert ist, all dies gebaut von einer der reichsten Firmen in der Geschichte der Menschheit, deren *komplettes Geschäft* Software ist und die gezielt Fantastilliarden Dollar in *diese spezifische Technologie* investiert haben.
Das ist das Dingsbums **in Topform**!
Und es ist Scheiße!

Aber es tut *etwas*.
Und das ist, was zählt.

## Kapitel 6: Die Kultur im weiteren Sinne

Es gibt offenbar Leute, die das benutzen.
Und es fühlt sich so... deprimierend an.
Es gibt Leute, die ich einst respektierte, die offenbar nicht wirklich Freude daran haben, *die Sache zu tun*.
Sie möchten gerne beschreiben, was sie wollen, und Was-Auch-Immer erhalten -- eine beige Suppe, die ungefähre Ähnlichkeit damit hat.
Aber das ist nicht Programmieren.
Das ist Management, ein recht ungleicher Beruf.
Ich bin nicht daran interessiert, zu managen.
Ich bin *ganz bestimmt* nicht daran interessiert, diese bizarre höfliche lügende Tagtraum-Maschine zu managen.
Sie fühlt sich an wie ein Wesir, der definitiv einige Zeit damit verbracht hat, mein Ableben zu planen.

Sie lässt die Programmier-Gemeinde trostloser erscheinen.
Ich möchte nicht jemandem helfen, der seine Frage beginnt mit "ich weiß nicht, wie man das macht, also habe ich ChatGPT gefragt und es gab mir diese 200 Zeilen Code, die nicht funktionieren".
Ich möchte nicht wissen, wieviel Code nicht tatsächlich von jemandem geschrieben wurde.
Ich möchte nichts davon hören, wieviele meiner Kollegen glauben, dass Was-Auch-Immer gleichwertig mit ihren eigenen Arbeitsergebnissen ist.
Ich möchte nicht weiter Leuten dabei zusehen, wie sie auf einen Kirmestrick hereinfallen.

Vor einigen Tagen sah ich jemanden (dessen Profilbeschreibung behauptete, dass er oder sie ein Bluesky-Techniker ist, aber wer weiß das schon) darauf bestehen, dass es "sehr dumm" sei, keinen Chatbot fürs Programmieren zu verwenden.
Ich kann das einfach nicht begreifen.
Wenn die Aufgabe *einfach* ist, kann ich den Code ungefähr in der gleichen Zeit schreiben, die es brauchen würde, um die Aufgabe zu beschreiben.
Wenn die Aufgabe *schwer* ist, dann ist es umso wahrscheinlicher, dass der erzeugte Code subtil falsch (oder offenkundig falsch) ist.
Wenn es etwas ist, das *ich nicht weiß*, dann kann ich das *recherchieren*, und dann weiß ich mehr Dinge.
Was schreibt ihr denn alle, dass so ein großer Anteil aus generischem Slop besteht?

Und andererseits... warum kümmert es dich?
Warum sollte eine Person, die ein richtig cooles Werkzeug verwendet, das sie produktiver macht... sich genötigt sehen, mit Hohn und Spott zu reagieren auf die bloße Andeutung, dass jemand anders es ihr nicht nachtut?
Ich weiß, dass es Leute gibt, die z.B. Syntaxhervorhebung ablehnen, und ich finde, das ist ziemlich merkwürdig, aber ich gebe mir nicht besondere Mühe, sie zu verspotten.
Ich kann mir nicht vorstellen, eine stärkere Reaktion als "lmao, was" zu haben und die Sache danach sofort zu vergessen.
Ich mag starke Meinungen darüber haben, wie *Code* aussieht, weil *ich ihn eventuell lesen muss*, aber warum sollte ich -- warum sollte *irgendjemand* -- eine derart intensive Reaktion zeigen auf die hypothetische Arbeitsumgebung eines hypothetischen Fremden?

Es fühlt sich an wie die gleiche Geisteshaltung, die bei Bitcoin eingetreten ist, mit derselben arroganten naserümpfenden Verachtung.
*Bitcoin ist die Zukunft.*
*Es wird den Dollar bis 2020 ersetzen.*
*Du wirst abgehängt werden.*
*Viel Spaß beim Armsein.*
Geht klar, Disco Stu!
Es gab definitiv niemals irgendwelche Erfindungen, die sich als schlechte Ideen herausgestellt haben oder einfach in Vergessenheit geraten sind.
Aber die Bitcoin-Leute *machen mehr Geld*, wenn sie andere durch öffentliche Blamage dazu bewegen können, mehr Bitcoin zu kaufen, also werden sie es natürlich versuchen.
Was haben Programmierer davon?
Wenn du nicht bei Microsoft arbeitest und *eine Menge* Aktienoptionen hältst, wirst du nicht dadurch reich, dass mehr Leute Copilot verwenden.

Es ist eigenartigerweise ähnlich, und eine passende Überleitung, dass Microsoft jetzt "KI"-Benutzung in Mitarbeiter-Beurteilungen einbezieht:

> "KI ist ein fundamentaler Teil unserer Arbeitsweise", schrieb Liuson. [Das ist Julia Liuson, Vice President der Abteilung für Entwicklertools bei Microsoft.]
> "Genau wie Zusammenarbeit, datengetriebenes Denken und effektive Kommunikation ist die Verwendung von KI nicht mehr optional -- es ist Kern jedes Berufsbildes auf jeder Ebene."
> Liuson sagte ihren Managern, dass KI "Teil ihrer ganzheitlichen Reflektionen über die Leistung und Wirksamkeit jedes individuellen Mitarbeiters sein sollte."

Was sagen wir hier tatsächlich -- dass selbst Microsoft die Verwendung von "KI" an sich messen muss, weil sie die Leistung nicht genug beeinflusst, um anderweitig einen offensichtlichen Einfluss zu haben?
Dass die Technologie so schlaff ist, dass selbst ihr größter Investor *seine eigenen Mitarbeiter dazu zwingen muss*, sie zu verwenden?
Dass seine eigenen Mitarbeiter sie nicht verwenden *wollen*?

Wahrlich gute neue Werkzeuge bedürfen für gewöhnlich keiner *Nötigung*, um nur einige Jahre nach ihrer Erfindung ihre Verbreitung voranzutreiben, nicht wahr?

Eine andere witzige Bemerkung, die ich heute bei Bluesky sah, und der Grund, warum ich an diesem Post weiterarbeite, den ich letzte Woche anfing:

> Jetzt wegen LLMs das Programmieren als Karriere aufzugeben, ist, als ob man das Tischlern als Karriere aufgibt, weil die Tischkreissäge erfunden wurde.

Ich möchte den Verfasser nicht bloßstellen, also nennen wir keine Namen, aber -- mein Lieber? Mein Herr?
**Wovon zur Hölle reden Sie?**

> *Notiz aus der Zukunft:*
> Okay, also das war offensichtlich andersherum gedacht, als ich es gelesen hatte, weil der Autor offenbar einen Meinungsbeitrag gesehen hat, dass LLMs so unfassbar sind, dass Programmierer jetzt sofort ihre Karriere aufgeben sollten (?????), aber die "LLMs sind nur ein weiteres Werkzeug!"-Position ist *absolut* eine Stimmung, die ich unzählige Male zum Einsatz gebracht sah, also lasst uns so tun, als ob jemand anderes das gesagt hätte und meinte es als "Das ist nur der neueste Fortschritt in diesem Handwerk!", damit ich diesen Teil nicht komplett umschreiben muss.
> Ironischerweise habe ich ihn schon einmal umgeschrieben, um zu diesem Zitat zu passen.
> Jedenfalls sorry Simon ups

Ich kenne den Kontext dieser Aussage nicht.
Was ich jedoch *weiß*, ist, dass eine Tischkreissäge schnell gerade Schnitte macht.
Das ist die Sache, die sie tut.
Sie tut nicht Was-Auch-Immer.
Sie würfelt nicht und rät, welche Art von Schnitt du statistisch gesehen am wahrscheinlichsten haben möchtest, basierend auf einer umfangreichen Datenbank vergangener Schnitte.
*Sie macht einen verdammten geraden Schnitt.*

Wenn ich Tischlerin *wäre*, und alle meine Kollegen begeistern sich für dieses neue Gerät, wo man einfach Kantholz in einen rotierenden wirbelnden Haufen von Sägen reinwirft und auf der anderen Seite fällt ein Stuhl raus... ich glaub, dann würde ich tatsächlich die Karriere wechseln wollen.

Ich sehe das immer wieder:
Leute vergleichen LLMs mit Taschenrechnern oder Schraubendrehern oder Digitalkamers oder so.
Ich kann mich nur wundern, ob die Leute, die das sagen, irgendeine von diesen Sachen schon mal *verwendet* haben.
Ein Taschenrechner tut Arithmetik für dich -- und automatisiert damit den mühseligen, monotonen Teil -- aber du musst immer noch wissen, *welche Knöpfe man drücken muss*, um das richtige Ergebnis zu erhalten.
Man kann nicht einfach das ganze Problem eintippen und Was-Auch-Immer bekommen:
etwas, das plausibel klingt, mit einem winzigen Warnhinweis, dass die Überprüfung auf Korrektheit *dein* Problem ist.

Taschenrechner haben Beschränkungen in Ausnahmefällen, und wenn man mit Ausnahmefällen arbeitet, muss man sich dieser bewusst sein.
Tischkreissägen schneiden (bzw. schnitten früher) genauso gut durch Finger wie durch Holz.
LLMs haben Ausnahmefälle **überall**, und sie ändern sich ständig, manchmal von Moment zu Moment, sogar bei Vorlage derselben Eingabe an dasselbe Modell.
Es ist auch möglich, normale Werkzeuge auf verschiedene Arten zu *justieren* oder *einzurichten*, wohingegen in 90% der Fälle, in denen ich Leute von ihrem feinjustierten LLM reden höre, die Justierung darin besteht, einen Absatz davor zu hängen, der sagt "Bitte antworte, als ob du mit einem Kunden sprichst."
Der Stand der Technik ist, den Computer höflich zu bitten, etwas zu tun, einen Warnhinweis daneben zu tun, der sagt, dass es nicht dein Problem ist, wenn der Computer ein Rassist ist, und dann Eintritt zu verlangen.

Das ist nicht bloße Automatisierung.
Das ist eine komplett neue Art von Ding.
Wir hatten nie eine Maschine, die so gut wie jede Eingabe entgegennehmen und einfach Was-Auch-Immer tun kann.
Aber ich sehe immer wieder Leute, die behaupten, dass das dieselbe Schöpfungshöhe wie ein Eierschneider ist und ich glaube, ich verliere den Verstand.

## Kapitel 7: Aber was, wenn es besser wird

Ich weiß nicht.
Was, wenn es so ist?
Was *heißt* das?
Ich höre "besser" und lese die Pressemitteilung und im Kleingedruckten heißt es, dass es jetzt die Anzahl Buchstaben in "Mississippi" richtig zählen kann oder so.
Und dann ist es immer noch Scheiße.

Was, wenn es keine Scheiße produzieren würde?
Es fällt mir schwer, mir so eine Welt vorzustellen, zu nicht geringem Teil deswegen, weil der Wirbel um die Was-Auch-Immer-Maschine so unglaublich überzogen ist.
Mein Telefon hat einen speziell dafür vorgesehenen Tensor™-Prozessor, um künstliche Intelligenz direkt in meiner Handfläche zu simulieren, wow!
Hier ist, was es tut: mir zu sagen, dass es diese Woche warm wird.

Aber wenn die Maschine weiterhin nur eine ausgeklügelte plausible Fiktion erzeugt, wenn sie keine Antwort parat hat, was ist sie dann wert?
Ich kann immer einfach dahingehen, wo es die Antwort ursprünglich her hat, und dann weiß ich zumindest, dass jemand sie *geschrieben* hat.
Jemand hatte einen *Grund*, das zu denken, selbst wenn die Person sich geirrt hat.
Vielleicht ist der Brunnen einfach permanent vergiftet:
Wann immer ich etwas sehe, von dem ich weiß, dass es eine LLM-Ausgabe ist, ist meine erste Vermutung, dass es Nonsens ist, komplett abgehoben von der Realität.

Ich weiß, dass viele Leute zahlreiche Probleme mit LLMs und generativer "KI" haben, die sie in Bezug setzen zu ausschweifenden Anliegen wie intellektuellem Eigentum oder Umweltbelastungen.
Meine Probleme sind eher ein Knäuel von Gedankenfäden, dass ich nur zusammenfassen kann als:
Die Atmosphäre ist schlecht.
Der Tonfall ist unerträglich.
Das Lügen als Rückgriff ist anstößig.
Die Werbung konzentriert sich darauf, wie man durchs Leben stolpern kann, ohne sich wirklich um die Arbeit oder die Familie zu kümmern, weil man den Geburtstagsgruß auch einfach generieren lassen kann oder so.
Die Leute, die die Sache finanzieren und bewerben, geifern offen bei dem Gedanken, so viel menschliche Eingaben wie möglich zu ersetzen durch eine Maschine, die am besten dafür bekannt ist, Buchtitel zu erzeugen, die es nicht gibt.

Ich weiß nicht, was man da noch "verbessern" kann.
Ich weiß nicht, wie man eine *bessere* Was-Auch-Immer-Maschine baut.

## Kapitel 8: Und dann ist da die Sache mit der Kunst

Ich sah vor ein paar Tagen jemanden auf Twitter, der ebenfalls die Idee verspottete, dass jemand sich entscheiden könnte, *nicht* die Was-Auch-Immer-Maschine zu verwenden.
Ich weiß nicht mehr genau, was die Person sagte, aber es war so etwas wie:
"Ich habe ein komplettes Musikalbum, inklusive Coverart, in dreieinhalb Stunden erstellt. Warum würde ich nicht die Mach-es-einfacher-Maschine verwenden?"

Das übt auf eine gewisse Weise eine dunkle Faszination auf mich aus, weil daraus so eine offensichtliche Frage folgt:
Wenn *jeder* das tun kann, *warum sollte ich deine Musik anhören?*
Es nimmt einen signifikanten Teil dieser dreieinhalb Stunden in Anspruch, das Album einfach nur *anzuhören*; wieviel Arbeit konnte hier tatsächlich verrichtet worden sein?
Offenbar kann man einfach losgehen und einen endlosen Strom an Kram derselben Qualität generieren!
Warum sollte ich gerade deinen Kram haben wollen?

Keiner scheint sich dessen bewusst zu sein, dass, wenn man einen Computer etwas ganz alleine tun lassen kann, dies die neue *Nulllinie* wird.

Man könnte eine Menge über Bildgenerierung reden (wenig davon in höflichem Ton), aber mir geht langsam die Luft aus.
Ich hatte vor, die laufenden Bemühungen zu kommentieren, immer bessere und bessere *fotorealistische* Bilder zu generieren, aber ich kann nicht viel mehr sagen als:
**Warum zum Teufel würde man daran arbeiten wollen?**
Haben wir nicht genug Mühen, zum Beispiel, damit, dass die reaktionären "Nachrichten"medien ihre eigene alternative Realität erzeugen, die von Millionen Leuten bereitwillig geglaubt wird, und das, indem sie einfach *lügen* -- müssen wir ihnen auch noch eine Maschine geben, die auf das Erzeugen von Fake-Fotos und Fake-Videos maßgeschneidert ist?
Warum muss das existieren?
Warum ist das *in der verdammten Kamera-App meines Telefons*?
Können diese Leute nicht auf einer abgelegenen Insel leben und unter sich an ihrer furchterregenden Betrugsmaschine arbeiten?

Außerdem könnte ich schwören, dass ich Google damit werben sah, dass Gemini deine Hausaufgaben für dich erledigen kann.

Das entfernt sich jetzt langsam von der Hauptthese des Was-Auch-Immer, aber jedes Mal, wenn ich höre, wie Schüler und Studenten mittels LLMs im Leerlauf durch das Bildungssystem rollen, frage ich mich, was das mit der Fähigkeit der Menschheit macht, kritisch über irgendwas nachzudenken.
Wir waren sowieso schon nicht *großartig* darin, aber jetzt erziehen wir eine ganze Generation dazu, dass eine Maschine ihnen Was-Auch-Immer gibt und sie das einfach akzeptieren.
Ihr habt sicher die Anekdoten gesehen, wie Leute Kommentare posten und Paper einreichen und was nicht alles mit offensichtlichen Zeichen darin wie "Als ein Sprachmodell...".
Das heißt, dass sie die Wörter, die sie als ihre eigenen ausgeben, nicht mal selber lesen!
Sie produzieren nur Was-Auch-Immer.

Warte mal, das bringt mich zu einem möglichen Schlusspunkt.

## Kapitel 9: Genug von Was-Auch-Immer

Ich erinnere mich, dass Facebook buchstäblich vorschlug, einen Haufen LLM-betriebener Fake-Benutzerkonten auf ihrer eigenen Webseite zu betreiben.
Fake-Personen, die Fake-Posts über Was-Auch-Immer machen, damit man mehr Was-Auch-Immer zum Angucken hat, sodass man auf dem Weg mehr Werbungen sieht.
Mach die Fäulnis zu Geld, oder so.

Ich kann mir nicht vorstellen, ein Spiel zu veröffentlichen, das z.B. mit Midjourney generierte Kunst enthält, selbst wenn es *nicht* merkwürdig unnatürlich ineinanderlaufende Formen hätte.
Ich würde das *beschämend* finden.
Aber es gibt Spiele im Switch-Shop, die das machen.
Wie dem auch sei.

Es fühlt sich zunehmend wie ein breit angelegter Festakt für die Mittelmäßigkeit an.
*Endlich*, sagt die Gesellschaft, mit einem riesigen Seufzer der Erleichterung.
*Ich muss meiner Enkelin keinen Brief schreiben.*
*Ich muss keinen dreizeiligen fetch-Aufruf schreiben.*
*Ich muss nichts wissen, mich um nichts kümmern, das ich tue, oder gar eine Meinung haben.*

*Ich kann all das einfach durch etwas Content™ ersetzen.*
*Ich kann einfach den Computer nach Was-Auch-Immer fragen.*

Aber ich *mag* Programmieren.
Ich *mag* Schreiben.
Ich mag es, *Dinge herzustellen* und mich dann zurückzulehnen, sie anzuschauen und zu sagen: "Heilige Scheiße, *das hab ich gemacht*."
Ich finde keine Freude darin, eine vage Beschreibung in den Computer einzutippen und solange F5-drückend durch eine Parade von Was-Auch-Immer zu stapfen, bis etwas gut genug aussieht.

Die widerlichsten Leute sind die, die über Stable Diffusion als "Demokratisierung der Kunst" reden und das ist die dümmste Sache, die ich je gehört habe.
Es gibt keinen Kunstkönig, der per Dekret verkündet, wer zeichnen darf und wer nicht.
Du könntest es machen.
Genau jetzt könntest du es machen.
Aber es ist schwer, also verbringst du lieber deine Zeit damit, auf Twitter darüber rumzuheulen, wie unfair es ist, dass *das Erlernen einer Fähigkeit Aufwand bedeutet* und Gottseidank kann der Computer dir jetzt sofort all die Bewunderung geben ohne irgendwelchen Aufwand.

Das ist ein unfassbar merkwürdiger Moment.
Es gab immer Erfindungen, die bestimmte Handwerke einfacher gemacht haben (aber manchmal auch etwas schlampiger).
Es gab immer Leute, die die Vorstellung nicht aushalten konnten, dass die Sache, für die sie so hart gearbeitet haben, jetzt zugänglicher ist.
Amerikas protestantische Arbeitsethik ist damit ebenfalls eng verwoben, aber ich wertschätze Schweiß nicht seiner selbst willen; ich habe einen umfassenderen Einwand.

Denn das hier ist etwas anderes.
Was uns verkauft wird, ist eine Maschine, die uns verspricht, *alles* zu tun.
Das ist weit mehr als eine winzigkleine Frage wie "sollte man wissen, wie man einen manuellen Fokus bedient, wenn man ein Foto machen möchte":
Es geht um die Frage, **überhaupt irgendetwas** zu denken oder zu tun.

Ich glaube nicht, dass irgendjemand verpflichtet ist, irgendwas Bestimmtes zu tun.
Wenn ihr nicht zeichnen wollt, oder schreiben, oder komponieren, oder programmieren, und so weiter und so fort, dann tut es halt nicht!
Das ist okay so.

Aber ich glaube, der Kern dessen, was mich so ankotzt, ist, dass das Bewerben dieser magischen Maschine **erfordert**, die Idee zu verkaufen, dass *Dinge zu tun wertlos ist*.
Denn wenn *etwas zu tun* einen Wert hat, dann muss es in irgendeiner Form *besser* sein, als einen Knopf zu drücken und im Prinzip kostenlos Was-Auch-Immer zu erhalten.
Wenn man irgendein Arsch mit Ohren wie Sam Altman ist, dessen Graph-nach-oben-Gehen davon abhängig ist, Leute zu überzeugen, alle ihre Mitarbeiter durch ChatGPT zu ersetzen, *muss man diese Vorstellung zerstören*.
Es ist die größte Gefahr für dein Geschäftsmodell.
Du musst die Vorstellung zerstören, dass es *wert ist, Dinge zu tun*.

Ich glaube, dass das Scheiße ist, ich glaube, dass er Scheiße ist, und ich glaube, dass seine Maschine Scheiße ist.
Also fickt ihn und fickt seine Maschine.

**Tut Dinge. Stellt Dinge her.** Und dann tut sie auf eure Webseite, damit ich sie sehen kann.

## Epilog

Danke fürs Vorbeischauen!
Falls du bis zum Ende gelesen hast, und du ein paar Kröten übrig hast, schmeiß vielleicht ein paar auf mein Patreon?
Dinge zu machen ist mein Vollzeitberuf, und das hilft mir dabei, weiterzumachen!
